Vorteil Digitalisierung

Schnelligkeit zahlt sich aus: digitale Revolution in der Konsumgüterindustrie

von Klaus Löckel

Die Konsumgüterindustrie ist ein hartes Geschäft. Verbraucher sind zunehmend weniger loyal und wechseln schnell zu anderen Marken, der Produktlebenszyklus hat sich in den letzten Jahren immer mehr verkürzt. Trotzdem wollen Einzelhändler weiterhin absatzstarke Artikel im Regal haben. Wer also am Markt erfolgreich bleiben will, muss die Produktentwicklung und Skalierung von Geschäftsmodellen beschleunigen können. Die digitale Transformation schafft Möglichkeiten, diesen Prozess innerhalb global operierender Unternehmen effizienter zu gestalten. Der internationale Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) zum Beispiel nutzt die 3DExperience Plattform von Dassault Systèmes, um das Verpackungs- und Produktdesign, das Anforderungsmanagement sowie die Programmverwaltung des Unternehmens voranzutreiben.

Die Plattformtechnologie hilft dabei, neue Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln und zu skalieren. Letztendlich tragen diese wesentlich zur Wertsteigerung bei. Auf der digitalen Plattform laufen alle Fäden zusammen. Sie unterstützt die global vernetzte Zusammenarbeit aller Beteiligten. Egal, wo auf der Welt die Mitarbeiter sitzen – sie können gemeinsam an Projekten arbeiten und haben jederzeit die Möglichkeit, Entwicklungsstadien einzusehen. Bei P&G bedeutet das: 18 000 Nutzer aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktversorgung, Qualität und anderen Disziplinen werden auf der Plattform zusammenarbeiten, um die Produktentwicklung und -konstruktion zu unterstützen. Dadurch werden die Teams weniger Zeit mit der Suche nach Daten verschwenden und haben außerdem Zugang zu konsistenteren und genaueren Verpackungs- und Produktspezifikationen.

Designzeit senken und hohen Ansprüchen gerecht werden

Es hat für Industrieunternehmen daher eine hohe Relevanz, die komplette Wertschöpfung „end-to-end“ digital zusammenzuführen, da sie vor großen Herausforderungen stehen. Bis 2019 werden weltweit drei Viertel der Industrieunternehmen ihre Wertschöpfungskette digital transformiert haben und dadurch erhebliche Produktivitätsgewinne erzielen. Wer sich nicht rechtzeitig rüstet, wird abgehängt. Mit der 3DExperience Plattform und den Branchenlösungen von Dassault Systèmes können Unternehmen über alle Abteilungen hinweg bis zur Supply-Chain einen digital durchgängigen Wertschöpfungspro­zess aufbauen und so differenzierte Kundener­lebnisse schaffen. Damit lässt sich die Designzeit von Verpackungen durch Prozessvereinfachung und Standardisierung um bis zu 50 Prozent senken.

Zudem verschwimmen durch das Internet die Grenzen zwischen B2B- und B2C-Geschäft. Industrieunternehmen müssen künftig ganz genau wissen, welche Bedürfnisse Endkunden haben. Diese sollten zum Ausgangspunkt aller Prozesse – von der Produktentwicklung über die Logistik bis zur Wartung – werden. Denn Verbraucher informieren sich über Produkte, bevor sie diese kaufen. Die Verbreitung von Social Media beispielsweise hat die Verbreitung von Verbrauchermeinungen und Produktbewertungen erleichtert. Damit steigen auch die Ansprüche an die Produkte und ihre Verpackungen.

Ein gutes Qualitätsprodukt zu einem guten Preis reicht für einige Verbraucher heute nicht mehr aus. Ein bedeutender Trend sind Produkte im Bereich „Health & Wellness“. Laut einer Studie des Markforschungsunternehmens Euromonitor International soll dieser Markt bis 2021 weltweit auf ein Volumen von 815 Milliarden anwachsen. Das bedeutet: Verbraucher suchen vor allem nach Marken und Produkten, die ihnen helfen, ein nachhaltigeres Leben zu führen. Das können z. B solche sein, die die Gesundheit fördern oder die besonders umweltfreundlich sind. Die Verbraucher sind bereit, mehr für Produkte zu bezahlen, die diese Vorteile bieten. Sie müssen an die Marke oder das Produkt glauben und sich beim Kauf der Produkte eines Herstellers gut fühlen. Und das beginnt mit der Verpackung. Gerade hier spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle, die ernst genommen werden sollte.

Optimierung ästhetischer Aspekte und Materialnutzung

Diese speziellen Kundenbedürfnisse werden über Marktforschung erfragt und erfasst. Sie fließen in das Design der Verpackungen selbst und gleichzeitig in die Konfiguration der Maschinen ein. Auch regulatorische Kriterien auf den jeweiligen lokalen Märkten gilt es zu berücksichtigen. Auf der 3DExperience Plattform haben Mitarbeiter weltweit Zugriff auf die gleichen Entwürfe und damit auf einen dokumentierten Wissensprozess bezüglich der Konformität von Rechtsvorschriften. Gleichzeitig lassen sich ästhetische Aspekte berücksichtigen, die den Kunden emotional ansprechen. Sogar Informationen über die Präsentation am Point of Sale fließen in den Designprozess mit ein. Vielversprechende Entwürfe können direkt für die Simulation und das Prototyping genutzt werden.

Eine wichtige Stellschraube im Prozess ist die Optimierung der Materialnutzung. Ziel ist erstens, Kosten durch besonders sparsamen Verbrauch zu reduzieren. Zweitens geht es darum, innovative Materialien zu erproben. Mit leistungsstarker Simulationssoftware können Hersteller jetzt in einer sehr frühen Phase simulieren, wie die Eigenschaften verschiedener Materialien sich auf Platzbedarf, Stabilität, Geometrie, Lagerfähigkeit und Transport von Verpackungen auswirken. Dadurch können die Beschaffungskosten um 30 bis 50 Prozent reduziert werden.

Shopping 4.0: In der virtuellen Realität testen, spart Kosten.
Shopping 4.0: In der virtuellen Realität testen, spart Kosten.

Ein weiterer Faktor, der auf die Produktentwicklung Einfluss nimmt, ist die Globalisierung. Sie hat die Wahlmöglichkeiten der Verbraucher deutlich erweitert. Der Fluss von Ideen und Trends und Produkten ist mit dem Internet einfacher geworden. Unternehmen der Konsumgüterindustrie müssen diese Trends und Präferenzen nutzen, da sie je nach Region echte Marktchancen bieten.

Dazu zählt beispielsweise die Einführung eines beliebten Produkts aus einer Region in einen neuen Markt, um den Umsatz zu steigern. Verpackungshersteller wie auch andere Zulieferer global tätiger Markenartikler müssen daher in der Lage sein, die jeweils unterschiedlichen landesspezifischen Auflagen in ihrer Fertigung abzubilden, ohne jedes Mal lokal eine neue Fertigungsstraße zu planen und zu bauen. Mit der 3DExperience Plattform und den Branchenlösungen von Dassault Systèmes ist diese Anpassung einfach umsetzbar inklusive Einhaltung der lokalen regulato­rischen Bedingungen.

Nach der Designphase schlägt Dassault Systèmes für seine Kunden die Brücke zwischen virtueller und realer Welt. Denn der digitale Zwilling bildet die Realität exakt ab und befähigt Unternehmen dazu, genau die Maschinen zu konfigurieren, welche die zuvor virtuell entwickelten Verpackungen fertigen können. Der digitale Zwilling hat noch einen weiteren Vorteil: Wenn Produktionsabläufe zur Herstellung einer neuen Verpackung geändert werden müssen, laufen die gesamten Informationen automatisch auf der Plattform zusammen und ein neuer Zwilling ist verfügbar.

Ist die Anlage konfiguriert, beginnt der eigentliche Produktions- und Verpackungsprozess. Bei der Optimierung des Shop-Floors sind Firmen derzeit laut einer IDC Studie* zum Thema Industrie 4.0 am weitesten fortgeschritten – Stichwort Lean Production. Mithilfe von Augmented Reality kann dieser Prozess weiter optimiert werden, z. B. indem das Unternehmen kritische Übergabepunkte auf Fertigungsstraßen durchspielt oder Qualitätskontrollen durchführt, bevor ein neues Los gefertigt wird. Auch können Maschinenlaufzeiten weiter optimiert werden – z. B. durch Predictive Maintenance, wo intelligente Anlagen über Sensoren untereinander und auch mit dem Produkt, das gefertigt wird, Informationen austauschen können. Arbeiten Fertigungsvorbereitung und Fertigung dann auch noch mit der gleichen Datenbasis, können zudem Informationen über Verschleiß oder Ausschuss in der Fertigung schneller in die Entwicklung zurückgespielt und in zukünftigen Produkten berücksichtigt werden.

Mithilfe digitaler Technologien lässt sich die Produktentwicklungszeit erheblich senken.
Mithilfe digitaler Technologien lässt sich die Produktentwicklungszeit erheblich senken.

Integration der gesamten Lieferkette

Um die Integration der gesamten Lieferkette geht es dann im letzten Schritt. Denn auf der zentralen Plattform von Dassault Systèmes lässt sich das Lieferantenmanagement nach globalen Standards weltweit an allen Standorten managen, z. B. durch eine standardisierte Auswahl – und einen kontinuierlichen Evaluationsprozess für alle Lieferanten. Auf diese Weise sichern Industrieunternehmen die Qualität ihrer Produkte zuverlässig und reduzieren z. B. das Risiko von Produktrückrufen. Da das System auf Echtzeitinformationen basiert, können Materialien bedarfsgerechter eingekauft werden, Lagerbestände sinken und Anlagen lassen sich gleichmäßiger auslasten.

Unternehmen, die durch die Anpassung und Wiederverwendung von Produktdaten auf einer gemeinsamen Datenplattform schnell agieren können, haben also enorme Vorteile gegenüber ihren Mitbewerbern. Das hat der Branchenriese Procter & Gamble frühzeitig erkannt und vergangenes Jahr mit der Implementierung der 3DExperience Plattform und der Branchenlösungen von Dassault Systèmes begonnen. Aktuell werden die Lösungen sequenziell unternehmensweit ausgerollt, um die digitale Transformation weiter- und vor allem erfolgreich voranzutreiben. //

* Quelle: IDC White Paper „Die nächste Stufe der digitalen Transformation in Deutschland: Mit Cloud-PLM zu mehr Produktinnovation und Effizienz“, November 2017

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.