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Teil 5: Einleitung

Disziplin im Umgang mit Kapital ist eine der wesentlichen Voraussetzungen, damit Händler auch nach der Gründung noch beständig wachsen können.

Diese Einleitung gibt einen kurzen Überblick über die wichtigsten Kapitalbeschaffungsmaßnahmen speziell für Handelsunternehmen. Auf die gerade für diese Branche wichtigen Bereiche des Factorings und des Forderungsmanagements wird dann später im Kapitel vertiefend eingegangen.

Gründungsphase
Business-Angels und Venture-Capital-Gesellschaften: Unternehmen erhalten noch selten Bankkredite, da sie meist über keine Sicherheiten verfügen. Gute Ideen können trotzdem auf förderndes Kapital hoffen. Vermögende private Investoren, sogenannte Business-Angels, finden sich nicht nur in immer populäreren TV-Formaten, auch Fachmessen und Kongresse bieten Pitches an, die Geldgeber locken. In den Reihen der Zuhörer finden sich dabei auch Vertreter von Venture-Capital-Gesellschaften wie beispielsweise e.ventures, einer Tochter der Otto Group.
Crowdfunding: Über eine Plattform sollen möglichst viele Investoren angesprochen werden, die auch kleinere Summen beisteuern können. Viralität ist gefragt, um hier möglichst erfolgreich zu sein. Bonus: Die Anleger von gestern sind die Kunden von heute! Auch in späteren Unternehmensphasen kann immer wieder auf die Crowd zurückgegriffen werden, sei es zur Betriebsmittelfinanzierung oder als Wachstumskapitalgeber.

Betriebsphase
Ist der Anfang geschafft, existiert eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten. Neben dem klassischen Bankkredit sind dies:
Der Börsengang: Eines der wichtigsten Motive für einen Börsengang ist es, dem Unternehmen durch Ausgabe von Aktien neue finanzielle Mittel zuzuführen. Dieses Kapital dient einerseits der Finanzierung von Wachstum, andererseits der Eigenkapitalstärkung. Auch die Fremdkapitalkosten können durch Verbesserung der Bonität verringert werden.
Beteiligungsgesellschaften: Bei der typischen stillen Beteiligung wird der Investor am Gewinn beteiligt, jedoch nicht am Vermögen. Als Gläubiger des Unternehmens kann er ausbezahlt werden, wenn der Cashflow dies zulässt. Bei der offenen Beteiligung wird der Investor auch Gesellschafter des Unternehmens mit allen Rechten und Pflichten. Zwar gibt man damit einen Teil seiner unternehmerischen Freiheit auf, doch gerade für unerfahrene Unternehmer kann dies auch ein Vorteil sein, holt man sich doch zusätzliche Expertise ins Haus.
Absatzfinanzierung: Die Finanzierung zu verkaufender Waren mittels Kredit. Sie erfolgt gegenüber Privatkunden im Konsumbereich in Form von Privatkrediten. Im gewerblichen Bereich ist neben Leasing (s. u.) eine Vielzahl von Finanzierungsformen und Kreditarten anzutreffen. Die Absatzfinanzierung erlangt zunehmende Bedeutung, da insbesondere große Handelsketten eine Subventionierung der Zinsen für Privatkredite übernehmen, um den Absatz von Produkten zu forcieren. Einen besonderen Stellenwert hat die Absatzfinanzierung im Bereich der Automobilfinanzierung. Beinahe alle großen Autohersteller haben dafür eigene Banken gegründet, sogenannte „Captives“, bzw. haben mit Banken und Leasinggesellschaften entsprechende Rahmenverträge abgeschlossen.
Leasing: Eine Finanzierungsalternative, bei der das Leasingobjekt vom Leasinggeber beschafft und finanziert wird und dem Leasingnehmer gegen Zahlung eines vereinbarten Leasingentgelts zur Nutzung überlassen wird. Leasingverträge können mit zusätzlichen Vereinbarungen wie einer Kaufoption oder der Übernahme der Wartung des überlassenen Objekts durch den Leasinggeber gegen einen monatlichen Pauschalpreis verbunden sein. Eine Sonderform ist das Sale-and-lease-back: Das Unternehmen verkauft Objekte aus seinem Besitz an eine Leasinggesellschaft und least sie dann zurück. Dadurch gewinnt das Unternehmen kurzfristig Liquidität, hat aber in der Folge kontinuierliche Liquiditätsbelastungen durch die Leasingraten. Bilanz- und Steuervorteile sind häufig Gründe für Leasinggeschäfte. //

Quellen:
Vgl. Seite „Börsengang“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 3. April 2018, 03:01 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=B%C3%B6rsengang&oldid=175707950 (Abgerufen: 17. April 2018, 08:35 UTC)
Vgl. Seite „Absatzfinanzierung“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. März 2016, 15:40 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Absatzfinanzierung&oldid=152107177 (Abgerufen: 17. April 2018, 08:58 UTC)
Vgl. Seite „Leasing“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. März 2018, 20:44 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Leasing&oldid=175511840 (Abgerufen: 17. April 2018, 09:15 UTC)

„Rupie, Yen oder Dollar – wie zahlen Ihre Kunden?“

Zahlen belegen, dass etwa 50 % der Kunden auch schon einmal in ausländischen Shops gekauft haben.

Wollen Handelsunternehmen im internationalen Onlinegeschäft erfolgreich sein, müssen sie ihren Kunden beim Zahlungsprozess entgegenkommen. Sonst ist der Abbruch des Kaufvorgangs programmiert. Die TREND-REPORT-Redaktion sprach hierzu mit Thomas Haarmann, Country-Manager bei der deutschen Niederlassung von Elavon.

Herr Haarmann, wie sieht Ihre Dienstleistung für internationale E-Commerce-Strategien aus? Wie unterstützen Sie konkret Onlinehändler, die ihre Produkte im Ausland auf den Markt bringen wollen?
Grundsätzlich ist der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr im Onlinehandel sehr dominant. Zahlen belegen, dass etwa 50 Prozent der Kunden auch schon einmal in ausländischen Shops gekauft haben, teilweise sogar außerhalb Europas. Für die Payment-Dienstleister ist es eine sehr große Herausforderung, hier ein entsprechendes Produktangebot zur Verfügung zu stellen. Weil es im Vergleich zum stationären Handel für einen Onlinehändler viel leichter ist, über die nationalen Grenzen hinaus zu verkaufen, ist es für uns wichtig, ihm zumindest im Bereich Payment das anzubieten, was er braucht.

Der Händler muss an der Stelle auch beim Einkaufen bzw. Check-out immer den größtmöglichen Komfort bieten. Naturgemäß sind die Erwartungen in den Zielmärkten unterschiedlich. Er muss sein Angebot also zum einen an die spezifischen Bedingungen bezüglich der Zahlungsverfahren sowie an den Verbraucher und seinen Markt anpassen – und ihm zum anderen die Möglichkeit bieten, in seiner Heimatwährung bezahlen zu können. Unsere Erfahrungen zeigen, dass der Händler dadurch mit weniger Kaufabbrüchen konfrontiert wird und eine höhere Conversion-Rate erzielt.

 

Thomas Haarmann, Country-Manager, deutsche Niederlassung von Elavon

 

Wie helfen Sie konkret Onlinehändlern dabei, das Währungsproblem in den Griff zu kriegen?
Für die Währungsthematik haben wir ein eigenes Produkt, das sich MCC nennt – Multi-Currency-Conversion. Dieses Tool ermöglicht dem Kunden, sein Angebot in über 120 Währungen in seinem Onlineshop anzubieten und das Pricing für das entsprechende Produkt auch den jeweiligen Marktgegebenheiten anzupassen. Damit schaffen wir ein Key-Asset, das dem Handel ermöglicht, allen Gegebenheiten des lokalen Marktes in Bezug auf die Akzeptanz von internationalen Kredit- und Debitkarten zu entsprechen. Selbst wenn der Onlineshop in den lokalen Märkten lokale Bankkonten besitzt und verwaltet, können wir auf die entsprechende Währung direkt auszahlen. Statt nur Euro oder US-Dollar bieten wir die Abrechnung mit dem Händler in bis zu 17 Währungen an.

Das ist komfortabel für die Händler, oder?
Definitiv. Gerade im E-Commerce sind wir ein präferierter Partner für den Handel. Das betrifft sowohl die Akzeptanz der geläufigen Kreditkarten wie auch die Einrichtung der Zahlungsfunktion im Onlineshop. Über unser Gateway stellen wir über 50 weitere alternative Zahlungsmethoden zur Verfügung. Außerdem arbeiten wir derzeit u. a. mit starken nationalen und internationalen Partnern zusammen. Elavon ist im europäischen Ranking in den Top 4 und international in den Top 7. Wir betreuen Kunden in mehr als 30 Ländern. In Kombination mit dem umfassenden Währungsangebot sind das die Gründe, warum sich Kunden durch uns rundum betreut fühlen können.

Wie unterstützen Sie internationale Zahlprozesse hinsichtlich der Hard- und Software?
Elavon arbeitet mit einer eigenen internationalen IT-Plattform. Hier werden alle Zahlungen aus allen Ländern zentral abgewickelt. Weltweit haben wir Server in sechs Rechenzentren, die alle das gleiche System nutzen und auch untereinander Daten austauschen. Dadurch können wir dem Kunden weltweit identisch strukturierte Reports zur Verfügung stellen, und zwar länderübergreifend im gleichen Format. Um die unterschiedlichen technischen Anforderungen in der Kundenumgebung unterstützen zu können, setzen wir auch hier auf starke strategische Integrationspartner. Dadurch sind wir zeitlich und funktional sehr flexibel.

Auf Produktseite ist das Thema „Integrated Payment Services“ entscheidend. Unseren Kunden stellen wir durch gezielte Partnerschaften mit globalen, aber auch mit sehr lokalen Partnern in jedem Segment passende Lösungen bereit. So sind wir zum Beispiel kürzlich eine strategische Partnerschaft mit Tillhub, einem innovativen Anbieter von iPad-basierten Kassenlösungen eingegangen. In Kürze werden wir ein neues europäisches Kartenterminal anbieten. So ermöglichen wir unseren Kunden letztendlich auch hier den gleichen Standard über alle Länder hinweg mit allen Zahlungsverfahren. Egal in welchem Land der Kunde ist, in dem wir ihn unterstützen können, kann er auf die gleiche Infrastruktur aufsetzen.

Sind dann Banken in naher Zukunft noch sinnvoll?
Banken werden nicht obsolet, denn am Ende des Tages steht sowohl auf der Konsumenten- als auch auf der Händlerseite irgendwo ein Bankkonto, über welches die Transaktionen abgewickelt werden. Die Frage ist, welche Rolle zukünftig die Payment-Provider spielen und ob das Thema Instant Payment zukünftig ein Verfahren ist, wodurch Banken zu Banken direkt Payments auslösen können, ohne dafür einen Payment-Dienstleister einbinden zu müssen. Meine Einschätzung ist, dass Instant Payments eher eine Technologie ist und kein Service. Daher muss es andere Unternehmen – FinTechs oder etablierte Payment-Dienstleister wie uns – geben, die dort entsprechende Services on top setzen, damit es nachher als Gesamtpaket für den Händler und auch für den Konsumenten interessant ist.

Inwieweit unterstützen Sie Ihre Kunden bei Internationalisierungsstrategien? Welche zusätzlichen Services bieten Sie an?
Im Wesentlichen konzentriert sich der internationale Service darauf, dass wir im Online-Bereich das Produkt MCC bzw. im stationären Bereich ein ähnliches Produkt, das sich DCC nennt, anbieten. Gerade im Bereich Travel & Entertainment können Sie dort z. B. in einem Nicht-Euro-Land mit Ihrer Euro-Kreditkarte in Ihrer Landeswährung zahlen. Darüber hinaus bieten wir mit unserem großen Netzwerk an Niederlassungen viele internationale Anlaufstellen.

Als einer der führenden internationalen Payment-Provider sind wir dabei mit den spezifischen Gegebenheiten in den unterschiedlichen Märkten bestens vertraut und können diesbezüglich unsere Händler oder potenziellen Kunden umfassend beraten. Wir kennen das Kundenverhalten, die führenden Zahlverfahren und die lokalen Payment-Lösungen, die zum Beispiel in unserem Payment-Gateway integriert sind. Zusätzlich bieten wir über 120 Akzeptanzwährungen, was sicherlich beeindruckend ist, wenn man sich überlegt, in wie vielen Ländern man letztendlich auch präsent sein möchte. Elavon betreut Kunden in über 30 Ländern weltweit.

 

Das Elavon Payment-Gateway
Ideal für kleine und mittlere Online-Händler Akzeptanz von über 60 Währungen beim Check-out (DCC)
Onlinezahlung mit Kreditkarte, Debitkarte, PayPal und die Integration von über 50 alternativen Zahlungsmethoden („Alternative Payment Methods“) Preisgestaltung und Akzeptanz von über 120 Währungen im Shop mit Multi-Currency-Conversion
Kompatibel mit über 60 Shop-Systemen, einfache Integration via Plug-in Unterstützung von über 15 Sprachen im Rahmen der gehosteten Lösung
Voll mobil-optimiertes Design auf allen Endgeräten („Responsive Design“) mit Look & Feel des Zielshops Reduzierung von Rückbelastungen durch integriertes Betrugspräventionsmanagement
Viele Einrichtungsoptionen, einfaches Set-up der Zahlungsseite: als gehostete Zahlungsseite im iFrame oder in der Lightbox oder im komplexen Umfeld über eine API-Schnittstelle Volle Transparenz durch umfassendes Dashboard
Akzeptanz von wiederkehrenden Zahlungen: ideal bspw. für Abos Ein Vertragspartner für Gateway und Acquiring
Einrichtung als virtuelles Terminal für den MoTo-Bereich

 

Vielleicht fassen Sie noch einmal ganz kurz zusammen, Herr Haarmann, wo und warum sich für E-Commerce-Händler in den nächsten zwei, drei Jahren Wachstumschancen auftun?
Statistisch gesehen wächst der Zahlungsverkehrsmarkt jährlich um etwa 4 bis 5 %. Das ist schon ein attraktiver Wert, im E-Commerce jedoch bewegt sich das Ganze sogar zwischen 10 und 15 %, je nachdem welche Zahlen man sich anschaut, sogar bis zu 20 %. Dieses Wachstum steigert natürlich nochmal das Interesse bei den Händlern. Immer mehr stationäre Geschäfte gehen in den E-Commerce und die Frage, in welcher Art und Weise Produkte angeboten werden, gewinnt an Bedeutung. Gerade auch das Thema grenzüberschreitender Handel wird immer wichtiger, da Kunden immer häufiger auch in Online-Shops im Ausland stöbern. Hier sind die Wachstumschancen überproportional. //

 

Autorenvita: Thomas Haarmann

 

 

 

Der Text ist unter der Lizenz CC BY-SA 3.0 DE verfügbar.
Lizenzbestimmungen:
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

 

 

Digitalisierung und Marketing

Der Handel diskutiert bereits intensiv über das Thema der Personalisierung und Indivi­dualisierung.

von Prof. Dr. Thomas Asche

Die Dynamik im Marketing ist ungebrochen. Budgets werden immer schneller zwischen Print und Online, Personen und Maschinen, Inhouse und Dienstleistern hin- und hergeschoben. Die digitale Transformation ist Gegenstand zahlloser Kongresse und Veröffentlichungen. Im Handel führt diese Entwicklung dazu, dass sich Unternehmen nicht mehr nur dem stärker operativ geprägten Geschäft widmen dürfen. Handel ist Wandel bedeutet daher auch, sich besonders mit strategisch relevanten Umbrüchen auseinanderzusetzen.

Es gilt also, für die Zukunftssicherheit des Unternehmens sowohl operativ als auch strategisch zu agieren, wobei sich Weiterentwicklungen nicht nur auf das Online-Geschäft konzentrieren sollten. Bei der Frage, wie das Marketing der Zukunft für den Handel aussehen könnte, ist zunächst zu fragen, wie „Zukunft“ abgegrenzt werden soll. Wenn die nahe Zukunft eher eine operative Sichtweise umfasst, dann wäre die darüber hinausgehende Sichtweise eher strategisch. Insofern lässt sich eine gedankliche Matrix aufspannen, deren Felder die Herausforderungen für den Handel strukturieren.

Online-Entwicklungen

Der Handel diskutiert bereits intensiv über das Thema der Personalisierung und Individualisierung. In E-Mails und Newslettern erfolgt i. d. R. eine formelle namentliche Ansprache der Adressaten. Wo noch nicht umgesetzt, wird dies unter Reaktionsaspekten notwendig werden. Zur Individualisierung der Online-Kommunikation gehört auch die Gestaltung zielgruppenspezifischer Inhalte in Newslettern und Homepages. Fortschritte in der Informations- und Produktionstechnologie ermöglichen weiterhin die zunehmende Individualisierung von Produkten (vgl. Gondorf, S. 37). Für den Handel zieht dies eine steigende Sortimentsvielfalt mit der Konsequenz einer höheren Artikelanzahl, mehr Regalfläche und ggf. einen geringeren Warenumschlag nach sich. Die induzierte Heterogenität der Sortimente führt zu einer geringeren Vergleichbarkeit der Preise. Auch bzgl. der Preise wird eine größere Individualisierung festgestellt. Preisverhandlungen aus dem stationären Handel oder Online-Auktionen werden noch stärker in das E-Commerce-Geschäft adaptiert. Willingness-to-pay-Ansätze sind hier weitere Treiber.

Einen weitereren Ansatz bei den Online-Entwicklungen stellen Augmented und Mixed Reality dar. Während bei der Augmented Reality erkennbar zusätzliche Informationen zur Umwelt auf das Mobile Device eingeblendet werden, erweitert die Mixed Reality die Umwelt des Nutzers unbewusst um weitere Elemente (vgl. Schart/Tschanz, S. 21). Neben dem Gaming ergeben sich für den B2B-Bereich und die Kaufberatung im Handel vielfältige Anwendungen. Inwieweit sich diese Technologien auch angesichts einer schon jetzt vorhandenen Informationsübersättigung beim Kunden durchsetzen, bleibt abzuwarten. Andere Nationen sind hier technikaffiner. Auf die Frage in einer GfK-Studie in 2016, ob virtuelle Interaktionen mit Menschen und Orten genau so gut sein können wie reale, wurden folgende Unterschiede festgestellt:
Database-Marketing wird weiter an Bedeutung gewinnen, schon allein, um die User nicht mit undifferenzierten Newslettern zu verärgern. Im Rahmen der Big-Data-Diskussion wird es darauf ankommen, die durch die Customer-Journey produzierte Datenflut sinnvoll auswerten zu können (vgl. Frick, 2016). Das klassische Database-Marketing könnte darunter leiden, weil Selektionen mehr und mehr über die getrackten Nutzungseigenschaften der User laufen werden und sich die User damit quasi selbst segmentieren.

Die Akzeptanz von Virtual Reality ist in Deutschland besonders klein bzw. die Ablehnung von Virtual Reality besonders groß. Hierzulande überwiegen also die Skeptiker.

Offline-Entwicklungen

Kunden erwarten auch offline eine immer schnellere Reaktion von Unternehmen. Hier geht es nicht nur um die tagesaktuelle Kommunikation, z. B. bei Anfragen oder Beschwerden. Eine 48-stündige Belieferung wird vorausgesetzt. Das Angebot einer Same-Day-Delivery wird von vielen Bestellern nicht nur im LEH präferiert. Instant Delivery innerhalb von zwei Stunden wird von Unternehmen bereits getestet. Das von Tankstellen schon seit langem praktizierte Dynamic Pricing wird sich auch im stationären Handel durchsetzen (v. Elm, S. 70 f.).

Durch die Verlagerung der Einzelhandelsumsätze in das Internet werden insbesondere 1b- und 1c-Lagen schrumpfen. Diese Lücken werden zukünftig Pop-up-Stores wesentlich öfter füllen. Pop-up-Stores schaffen Abwechslung und damit Attraktivität in innerstädtischen Lagen. Sie sind ein geeignetes Mittel für Sonderaktionen etablierter Händler oder Warenabschleusungen, ohne das eigentliche Ambiente der Hauptverkaufsfläche zu zerstören. Pop-up-Stores werden weiterhin vom Online-Handel eingesetzt, um physische Präsenz zu zeigen und damit die anonyme Distanz zum Kunden zu überwinden.

Der Handel muss sich kurzfristig zudem mit einer weiteren Vertikalisierung auseinandersetzen. Hersteller sind der neue Handel. Die Macht im Absatzkanal verschiebt sich. Deutlich wird dies an der Zunahme der Shop-in-Shop-Konzepte und Monolabel-Läden. Bislang beschränkt sich die Entwicklung auf Gebrauchsgüter (z. B. Haushaltswaren, Textil, Möbel). Es ist zu erwarten, dass insbesondere Hersteller höherwertiger FMGCs in dieser Richtung aktiv werden.

Online-Trends

Im Rahmen längerfristiger Online-Trends schreitet die Entmenschlichung der Kommunikation fort. Avatare begleiten den Kaufprozess, Chat-Robots beantworten Fragen zu Produkten. Das Internet of Things, bei dem Maschinen mit Maschinen kommunizieren, wird auch den B2C-Bereich erfassen – schon heute erlebbar, wenn der Kühlschrank beim Händler Nachschub ordert. Die Entwicklung zu diesem posthumanen Zeitalter wird notwendig durch die demografische Entwicklung, die aufgrund der Knappheit an menschlichen Ressourcen stärker auf smarte Systeme angewiesen sein wird.

Ein weiterer Trend, den die digitale Transformation unterstützt, ist der Trend zur Shared Economy. Der Wertewandel weg vom Eigentum zum Besitz wird durch eine Vielzahl von Geschäftsmodellen unterstützt, die heute ausprobieren, was morgen alltäglich sein wird. So werden Jeans (www.mudjeans.eu), Kinderbekleidung (www.tchibo-share.de) oder Möbel (www.in-lease.com) usw. verliehen. Das größte Wachstum wird nicht bei den Dienstleistern (z. B. Airbnb, Car2go, Uber) gesehen, sondern beim Handel und Konsumgütern. Da insbesondere Jüngere und damit die Wachstums­treiber diesem Trend offen gegenüberstehen, wird die Branche diese Geschäftsmodelle selbst stärker adaptieren müssen (vgl. PwC, 2016). Ausgenommen bleiben Verbrauchsgüter, individualisierte Produkte und Hygieneprodukte.

Die Globalisierung ist ein weiterer langanhaltender Trend. Nicht nur Unternehmen agieren als Global Player. Der Kunde nutzt ebenso das Netz für ein weltweites Sourcing. Die aktuelle Rechtsprechung fördert diese Machtverschiebung mit dem Verbot des Geoblocking. Vereinheitlichte weltweite Zahlungssysteme tun ein Übriges (Lambertz, Pinhammer, S. 26). Zusätzlich bedrängen internationale Unternehmen den europäischen Handel. Amazon, Alibaba und Rakuten haben weite Teile erobert. Ein letzter weißer Fleck ist Afrika, der auf der Suche nach Umsätzen in den Fokus rückt.

 

Die Absatzkanäle erleben deutliche Marktanteilsverschiebungen. (1)

Offline-Trends

Angesichts der Verschiebung der Marktanteile vom stationären Handel zum E-Commerce stellt sich die Frage nach dessen Profilierung. Ein Überleben kann nur durch eine Kooperation (z. B. intelligente Umkleidekabine, Serviceannahme) oder Omnichanneling gelingen. Der stationäre Handel ist gezwungen, noch viel stärker seine Vorteile (Unmittelbarkeit, Anonymität, Beratung, Haptik) zu kommunizieren. Dabei sollte er nicht den Fehler machen, daraus ein Preispremium abzuleiten. Die notwendigen zusätzlichen DBs kommen aus dem Mengen- und nicht dem Wertwachstum.

Die Konsumerismusbewegung gewinnt aufgrund aufgeklärter Verbraucher weiter an Fahrt. Vor dem Hintergrund eines investigativen Journalismus und kritischer Verbrauchersendungen müssen Werbeaussagen auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft werden. Das momentan stark diskutierte Influencer-Marketing wird zurückgedrängt. Testurteile und Siegel werden für die Kaufentscheidung dominanter.

Ein dritter Trend betrifft die Nachhaltigkeit. Dessen Ausgangspunkt war die Bio-Welle. Er setzt sich aktuell in der Precycling-Debatte bei (Plastik-)Verpackungen fort. Der Trend wird zukünftig ergänzt durch die stärkere Beachtung des Produktionsstandorts und der damit verbundenen Transportwege sowie die Forderung nach einer Wiederverwendbarkeit bzw. einem Zweitnutzen des Produkts (vgl. Kriener, Grimm, Berg, S. 25 ff.). Der Bezug zur Shared Economy ist offensichtlich.

Das Handelsmarketing hat sich kurz- und langfristig einer Vielzahl von Herausforderungen zu stellen. Die Unsicherheit darüber, welche Ansätze Erfolg versprechend sind, ist groß. Es bleibt wohl nur der Trial-and-Error-Ansatz, also vieles auszuprobieren, dabei zu lernen und sich schnell von nicht marktfähigen Ideen zu trennen. Die verbleibenden Ideen sichern den Fortbestand. //

 

 

Autorenvita: Prof. Dr. Thomas Asche

 

 

1; Beitragsbild Studie Absatzkanäle / Quelle
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/295408/umfrage/umfrage-zur-bedeutung-von-vertriebskanaelen-und-betriebsformen-im-einzelhandel/, Stand 27.2.2018, 3 200 Befragte

 

Literatur
Frick, W., Wie viel Kunde steckt in Big Data? in Computerwoche, 26.2.2016.
Gondorf, L., Wie der Handel von morgen heute schon aussehen kann, in asw, Heft 10, 2016, S. 34-39.
Kriener, K., Grimm, J. H., Berg, Ch., Nachhaltigkeit im Handel, Göttingen, 2011.
Lambertz, W., Pinhammer, J., Payment-Initiativen mit Blick auf Europa, in Retail Technology, Heft 2, 2017, S. 24-27.
PwC, Shared Benefits: How the sharing economy is reshaping business across Europe, https://www.pwc.co.uk/issues/megatrends/collisions/sharingeconomy/future-of-the-sharing-economy-in-europe-2016.html, Stand 28.2.2018.
Schart, D., Tschanz, N., Augmented und Mixed Reality, 2. Aufl., Konstanz, 2018.
v. Elm, K., Einer für alle?, in Retail Technology, Heft 1, 2018, S. 70 f.

 

 

Der Text ist unter der Lizenz CC BY-SA 3.0 DE verfügbar.
Lizenzbestimmungen:
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

 

 

Teil 6: Einleitung

Mit neuen Technologien verändert sich die Customer-Journey. Händler müssen sich den Bedürfnissen anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zunächst muss die Aufmerksamkeit des Kunden geweckt werden. Im Online-Marketing gilt Programmatic Advertising dabei als der heilige Gral. (6.1) Eine gute Marketingstrategie wird umso wichtiger, da 3-D-Druck, IoT, Smart Things und Smart Factories den Wettbewerb grundlegend verändern. Hersteller nutzen immer mehr den Selbstvertrieb und sind weniger auf Händler-Netzwerke angewiesen. Auch das Konsumverhalten verändert sich grundlegend. Händler und Hersteller werden zu Service-Providern. Im Mittelpunkt steht zwar noch die Ware, aber diese wird in der Subscription- oder Sharing-Economy als Dienstleistung genutzt. (6.5)
Eine Modellstadt des Handels der Zukunft existiert bereits in Langenfeld. Frank Rehme beschreibt das Projekt. (6.2) Bargeld wird auch hier durch andere Payment-Möglichkeiten ersetzt. Der Bitcoin wird in diesem Kontext immer wichtiger und bietet einige Vorteile. (6.4) Die Blockchain ist dabei die zugrunde liegende Technologie, die auf den Handel der Zukunft einen ebenso großen Einfluss hat (6.3), wie künstliche Intelligenz. (6.6)

Das Kapitel im Überblick
Marketing der Zukunft: Programmatic Advertising
Future City Langenfeld – Hier findet Zukunft Stadt!
Wie die Blockchain den Handel verändert
“Das Internet ist nur ein Hype“ – Die Kryptografie auch?
Die Sharing-Economy wächst
Künstliche Intelligenz

Wie die Blockchain den Handel verändert

Sie schafft mehr als ein neues Währungssystem und wird vor allem den internationalen Handel beeinflussen.

von Andreas Fuhrich

Die Achterbahnfahrt an den Kryptobörsen machte die Blockchain zu einem der Schlagwörter des letzten Jahres, dabei hat sie – nahezu unbemerkt von der breiten Masse – schon im Hintergrund begonnen, ihr Potenzial anzudeuten und nicht nur für Spekulanten interessant zu sein. Wir zeigen, welche Auswirkungen die Technologie noch speziell für den Handel haben wird.

Was ist die Blockchain?

Während die Technologie hinter dem Bitcoin noch auf der ersten Generation der Blockchain beruht und nur für Währungen ausgelegt ist, geht die zweite Generation der Blockchain mit der Möglichkeit der Smart Contracts einen Schritt weiter. Vereinfacht dargestellt ist die Blockchain ein dezentrales System der Buchführung. Das „Buch“ wird dabei als „Distributed Ledger“ (DL) bezeichnet und auf jedem an der Blockchain beteiligten Rechner abgelegt. Durch die Dezentralität entstehen zwei Vorteile:

  • Fälschungssicherheit: Ein gewisses Maß an krimineller Energie vorausgesetzt, konnte man vorher Einträge verändern und Geld für private Zwecke zur Seite schaffen. Bei der Blockchain wird jede Veränderung auf allen Knoten dupliziert und vermerkt, wer die Änderung ausgeführt hat.
  • Abschaffung der Clearingstellen: Für das Feststellen gegenseitiger Forderungen, Verbindlichkeiten oder Lieferverpflichtungen sind keine Banken, Notare oder Anwälte mehr nötig. Durch „Smart Contracts“ lässt sich alles fälschungssicher in den DL eintragen, der in der zweiten Generation nicht nur Währungstransaktionen festhalten kann.

Was bedeutet das konkret für den Handel?

Kryptowährungen
Zunächst das Offensichtliche: Kryptogeld bietet einige Vorteile gegenüber dem etablierten Bankensystem. Zahlungen via Bitcoin dauern selbst über Kontinente hinweg oft nur einige Sekunden, im schlechtesten Fall einige Minuten. Dadurch, dass kein Intermediär, also keine Bank, dazwischengeschaltet ist, entfallen Gebühren, die gerade bei hohen Beträgen über Ländergrenzen hinweg die Bilanz schmälern. Banken haben die Möglichkeiten der Blockchain natürlich schon längst selbst erkannt und arbeiten an eigenen Lösungen, um konkurrenzfähig zu sein. Ihr größter Vorteil liegt dabei noch in der Stabilität der meisten Landeswährungen, während Bitcoin und andere Kryptowährungen höchst volatil sind.

Das Internet des Vertrauens
Die Grundlage einer guten Handelsbeziehung ist Vertrauen, welches bisher durch verschiedene Zertifikate generiert werden sollte. Das gilt für den Edelstein, der am Ende beim Juwelier verkauft wird, ebenso wie für Fair-Trade-Produkte u. Ä. Echtheit, Herkunft, Abbau- bzw. Erntebedingung – für alles gibt es Zertifikate. Allerdings sind diese Zertifikate nicht fälschungssicher und die Lieferkette ist nicht transparent. Die Blockchain schafft hier Abhilfe, indem sie jede Station und jeden Verarbeitungsschritt unveränderbar dokumentiert. Ein weiterer Vorteil entsteht dadurch auch bei der Verzollung. Ware, die mehrere Länder durchquert, wird immer wieder aufwendig durch Papiere von den Zollbehörden untersucht, geprüft und verzollt. Die Blockchain beschleunigt den gesamten Prozess, da jede wichtige Information im DL eingetragen ist. Selbst eine Bedingung zur automatisierten Zahlungsabwicklung kann in den DL eingetragen werden, wodurch die Verzollung komplett automatisiert und erheblich beschleunigt werden kann.

Die Blockchain und die Sharing-Economy
Autos, Wohnungen, Werkzeuge – die Sharing-Economy ist im Aufwind und im Prinzip lässt sich alles über eine Plattform organisieren. Die Anbieter verlangen dabei eine Gebühr dafür, dass alles in rechten Bahnen läuft. Die Blockchain dezentralisiert die Sharing-Economy. Wer, was wann und wie genutzt hat, werden automatisch in ihr gespeichert, Zahlungen automatisch veranlasst. So entsteht Transparenz und Sicherheit für jeden, der auch seine eigenen Güter gegen eine Gebühr an die Gesellschaft vermieten will. Intermediäre als Vertrauensgeber werden obsolet. //

 

Autorenvita: Andreas Fuhrich