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Automatisierung des täglichen Bedarfs

Innovationen, die den Einkaufsaufwand auf ein absolutes Minimum reduzieren

von Andreas Fuhrich

Seit dem 31. August 2016 sind die ersten Dash-Buttons in Deutschland erhältlich. Der Preis liegt momentan bei 4,99 Euro, wobei Amazon die Anschaffungskosten nach der ersten über das Device ausgeführten Bestellung erstattet.

Der Button ermöglicht dem Kunden, vordefinierte Bestellungen von Verbrauchsgütern auf Knopfdruck aufzugeben. Waschmittel, Kaffeekapseln, Rasierklingen u. Ä. – durch die Konfigurierung mit der dazugehörigen Smartphone-App kann festgelegt werden, welcher Artikel in welcher Menge nach dem „Knopfdruck“ bestellt wird. Neben einem komplett selbst konfigurierbaren Dash-Button stehen vor allem vorkonfigurierte Buttons namhafter Verbauchsmittelhersteller zur Verfügung.

Nach der Betätigung des Dash-Buttons wird automatisch eine Bestellung erzeugt, welche in der dazugehörigen Smartphone-App bestätigt werden muss. Prinzipiell kann die Bestellung zwar vollkommen autonom aufgegeben werden, die Authentifizierung durch den Kunden soll jedoch die Möglichkeit bieten, versehentlich ausgelöste Bestellungen zu korrigieren oder auch die zu bestellende Menge abzuändern. Alternativ lässt sich auch der Bestellschutz aktivieren, wodurch jedes Produkt bis zu seiner Lieferung nur einmal bestellt werden kann. Dabei können Bestellungen auch gebündelt und es kann eine Art „Einkaufszettel“ erstellt werden.

Mit dem Amazon Dash Replenishment Service geht das Unternehmen noch einen Schritt weiter. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Großgeräteherstellern wurde ein autonomes Konzept für smarte Haushaltsgeräte entwickelt. Waschmaschinen, Kaffeeautomaten, Wasserfilter, Kühlschränke etc. erkennen selbstständig fehlende Ressourcen und bestellen diese nach. Sollte beispielsweise ein Drucker erkennen, dass mit dem aktuellen Tintenvorrat nur noch eine geringe Anzahl an Seiten gedruckt werden kann, könnte dieser selbstständig neue Farbpatronen bestellen.

Unklare Rechtslage

Schon kurz nach der Vorstellung der Produkte warnte die Verbraucherzentrale NRW davor und ging nach der Veröffentlichung gar gerichtlich dagegen vor. Beanstandet werden unter anderem der nicht einsehbare Preis der bestellten Ware, die Bindung an Amazon sowie die verpflichtende Prime-Mitgliedschaft. Ein erster, aber noch nicht rechtskräftiger Urteilsspruch erklärt die Buttons nun für rechtswidrig und sorgt damit für den Auftakt des Ganges durch die Instanzen.

Der Urteilsspruch stellt klar, dass Amazon unmittelbar vorm Absenden der Bestellung den Käufer über den tatsächlichen Preis der Ware informieren muss. Dies gilt sowohl für den Button als auch für den Replenishment-Service. Selbst wenn Amazon beim Gang durch die Instanzen keinen Erfolg haben sollte, wäre dies nicht gleichbedeutend mit dem Aus des Services, der lediglich leicht abgeändert werden müsste. So könnte die Ware beispielsweise lediglich automatisch in den Einkaufskorb gelegt werden und hier auf das endgültige „OK“ des Kunden warten.

Supermarkt ohne Kasse

Das Einkaufserlebnis habe sich wie Ladendiebstahl angefühlt, berichtete die New York Times. Die Besucher des Amazon-Go-Supermarkts müssen sich einfach eine App herunterladen und das Mobiltelefon an eine Schranke am Eingang halten. Von da an registrieren Kameras und Sensoren alle Einkäufe bis zum Check-out an der Schranke mit Mobiltelefon. Der „Ladendiebstahl“ endet, wenn das Geld vom Amazon-Konto gebucht wird.

Nicht nur Amazon

Auch wenn der Online-Händler gemeinhin als Pionier des automatisierten Einkaufs gilt, war zumindest in Deutschland ein Online-Shop für Windeln mit einem dem Dash-Button vergleichbaren Prinzip eher auf dem Markt und andere Anbieter folgten. Auch die Hersteller binden sich nicht ausschließlich an Amazon und bieten teilweise dem Dash Replenishment Service vergleichbare Leistungen im Selbstvertrieb an. Die grundsätzliche, lohnende Idee, über einen möglichst hohen Grad der Vereinfachung des Einkaufs für den täglichen Bedarf den Kunden an einen Shop oder eine Ware zu binden, ist dabei stets die gleiche. Bei der Entwicklung eines solchen Produkts für den eigenen Shop sollte man aber gleich die aktuelle Rechtsprechung mit berücksichtigen. //

 

Autorenvita: Andreas Fuhrich

 

 

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Teil 4: Einleitung

Es gilt, seine Strategie am Kunden auszurichten, wobei die zunehmende Automatisierung zusehends das Konsumverhalten und die Erwartungen verändert.

Heutzutage wird seamless geshoppt – umbruchsfrei und über diverse Devices, zu Hause, unterwegs und im Geschäft. Wer seine Strategie nicht daran ausrichtet, ignoriert enormes Kundenbindungspotenzial. (4.2) Wichtig: Wer die vielen dabei anfallenden Daten intelligent nutzt, kann auch die persönliche Kundenkommunikation verbessern. So entstehen Vertrauensparallelen zwischen dem Callcenter der Zukunft und dem Tante-Emma-Laden der Vergangenheit. (4.4) Bei der Kaufabwicklung werden innovative Payment-Methoden in digitalen Ökosystemen à la Alipay immer entscheidender. (4.3) Bei all dem ist die Datensicherheit ebenso von Bedeutung wie schnelle kundenfreundliche Möglichkeiten der Authentifizierung und Identifizierung.

Die Datensicherheit ist von ebenso zentraler Bedeutung wie die schnelle, kundenfreundliche Möglichkeit der Authentifizierung und Identifizierung.

Nicht nur EU-DSGVO-Konformität sollte dabei gewährleistet sein. (4.5) Wer den Einkauf des Alltäglichen online und stationär auf ein absolutes Minimum der eigenen Handlung reduzieren will, nutzt ein Höchstmaß an Automatisierung, büßt aber ggf. auch ein Stück Entscheidungsfreiheit ein. (4.1) //

Wie die Blockchain den Handel verändert

Sie schafft mehr als ein neues Währungssystem und wird vor allem den internationalen Handel beeinflussen.

von Andreas Fuhrich

Die Achterbahnfahrt an den Kryptobörsen machte die Blockchain zu einem der Schlagwörter des letzten Jahres, dabei hat sie – nahezu unbemerkt von der breiten Masse – schon im Hintergrund begonnen, ihr Potenzial anzudeuten und nicht nur für Spekulanten interessant zu sein. Wir zeigen, welche Auswirkungen die Technologie noch speziell für den Handel haben wird.

Was ist die Blockchain?

Während die Technologie hinter dem Bitcoin noch auf der ersten Generation der Blockchain beruht und nur für Währungen ausgelegt ist, geht die zweite Generation der Blockchain mit der Möglichkeit der Smart Contracts einen Schritt weiter. Vereinfacht dargestellt ist die Blockchain ein dezentrales System der Buchführung. Das „Buch“ wird dabei als „Distributed Ledger“ (DL) bezeichnet und auf jedem an der Blockchain beteiligten Rechner abgelegt. Durch die Dezentralität entstehen zwei Vorteile:

  • Fälschungssicherheit: Ein gewisses Maß an krimineller Energie vorausgesetzt, konnte man vorher Einträge verändern und Geld für private Zwecke zur Seite schaffen. Bei der Blockchain wird jede Veränderung auf allen Knoten dupliziert und vermerkt, wer die Änderung ausgeführt hat.
  • Abschaffung der Clearingstellen: Für das Feststellen gegenseitiger Forderungen, Verbindlichkeiten oder Lieferverpflichtungen sind keine Banken, Notare oder Anwälte mehr nötig. Durch „Smart Contracts“ lässt sich alles fälschungssicher in den DL eintragen, der in der zweiten Generation nicht nur Währungstransaktionen festhalten kann.

Was bedeutet das konkret für den Handel?

Kryptowährungen
Zunächst das Offensichtliche: Kryptogeld bietet einige Vorteile gegenüber dem etablierten Bankensystem. Zahlungen via Bitcoin dauern selbst über Kontinente hinweg oft nur einige Sekunden, im schlechtesten Fall einige Minuten. Dadurch, dass kein Intermediär, also keine Bank, dazwischengeschaltet ist, entfallen Gebühren, die gerade bei hohen Beträgen über Ländergrenzen hinweg die Bilanz schmälern. Banken haben die Möglichkeiten der Blockchain natürlich schon längst selbst erkannt und arbeiten an eigenen Lösungen, um konkurrenzfähig zu sein. Ihr größter Vorteil liegt dabei noch in der Stabilität der meisten Landeswährungen, während Bitcoin und andere Kryptowährungen höchst volatil sind.

Das Internet des Vertrauens
Die Grundlage einer guten Handelsbeziehung ist Vertrauen, welches bisher durch verschiedene Zertifikate generiert werden sollte. Das gilt für den Edelstein, der am Ende beim Juwelier verkauft wird, ebenso wie für Fair-Trade-Produkte u. Ä. Echtheit, Herkunft, Abbau- bzw. Erntebedingung – für alles gibt es Zertifikate. Allerdings sind diese Zertifikate nicht fälschungssicher und die Lieferkette ist nicht transparent. Die Blockchain schafft hier Abhilfe, indem sie jede Station und jeden Verarbeitungsschritt unveränderbar dokumentiert. Ein weiterer Vorteil entsteht dadurch auch bei der Verzollung. Ware, die mehrere Länder durchquert, wird immer wieder aufwendig durch Papiere von den Zollbehörden untersucht, geprüft und verzollt. Die Blockchain beschleunigt den gesamten Prozess, da jede wichtige Information im DL eingetragen ist. Selbst eine Bedingung zur automatisierten Zahlungsabwicklung kann in den DL eingetragen werden, wodurch die Verzollung komplett automatisiert und erheblich beschleunigt werden kann.

Die Blockchain und die Sharing-Economy
Autos, Wohnungen, Werkzeuge – die Sharing-Economy ist im Aufwind und im Prinzip lässt sich alles über eine Plattform organisieren. Die Anbieter verlangen dabei eine Gebühr dafür, dass alles in rechten Bahnen läuft. Die Blockchain dezentralisiert die Sharing-Economy. Wer, was wann und wie genutzt hat, werden automatisch in ihr gespeichert, Zahlungen automatisch veranlasst. So entsteht Transparenz und Sicherheit für jeden, der auch seine eigenen Güter gegen eine Gebühr an die Gesellschaft vermieten will. Intermediäre als Vertrauensgeber werden obsolet. //

 

Autorenvita: Andreas Fuhrich